2025 – Fotografien von Horst Kistner

Das Jahr 2025 markiert einen spannenden Wendepunkt im Schaffen von Horst Kistner.

Neue Themen, gewagte Kompositionen und ein deutlicher Schritt hin zu kunsthistorisch fundierten Adaptionen prägen die jüngsten Arbeiten. Den Auftakt macht die Fotografie „Grief“, eine eindrucksvolle Neuinterpretation von Jacques-Louis Davids berühmtem Gemälde Der Tod des Marat aus dem Jahr 1793.

In „Grief“ verwebt Kistner den Märtyrertod des Revolutionsführers Jean-Paul Marat mit der biblischen Geschichte von Samson und Delila. Während Delila in der Bibel Samson im Schlaf das ungeschnittene Haar – Symbol seiner übermenschlichen Kraft – nimmt, richtet sich der Akt der Entmachtung hier nach innen: Die Frau im Bild schneidet sich selbst das Haar ab. Dieses Motiv wird zum Sinnbild für Schönheit, Vitalität und Sinnlichkeit, aber auch für Selbstbestimmung und den bewussten Bruch mit gesellschaftlichen Rollenerwartungen.

Kistners Inszenierung verbindet die Strenge klassischer Bildkomposition mit einer zeitgenössischen, psychologisch aufgeladenen Bildsprache. Grief ist damit weit mehr als eine Hommage an Davids Meisterwerk – es ist ein vielschichtiger Kommentar zu Macht, Verletzlichkeit und der Rolle der Frau in Vergangenheit und Gegenwart.

Mit dieser Arbeit eröffnet Horst Kistner ein Jahr voller kreativer Experimente, in denen historische Referenzen, erzählerische Tiefe und visuelle Präzision zu einer neuen künstlerischen Sprache verschmelzen. Sammler dürfen gespannt sein, welche weiteren Werke 2025 entstehen werden – Grief ist erst der Anfang.

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