Thomas Gatzemeier | Chantant – Radierung

530,00 

Chantant – Radierung 1995

Radierung, Kaltnadel
auf schweren Bütten
Auflage: 25 + 10 Röm.
Plattengröße 28,2cm x 33, 2cm

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Beschreibung

Thomas Gatzemeier | Chantant – Radierung von 1995

Diese Radierung von Thomas Gatzemeier | Chantant – Radierung ist mittels zweier Techniken entstanden. Einerseits wurde auf einer Kupferplatte eine Ätzradierung ausgeführt. Andererseits benutzte der Künstler einen Zahnarztbohrer mit Kugelköpfen verschiedener Durchmesser. Dies um in die Kupferplatte – in der Manier der Kaltnadeltechnik – Gravuren einzubringen. Da die Platte eine entsprechende Stärke aufwies, konnten die Gravuren sehr tief eingebracht werden. Eine im Handel erhältliche Farbe wäre durch den Druck der Presse aus den Rillen gedrückt wurden und hätte nicht reliefartig auf dem Papier gestanden. Der Drucker rieb eigens eine Farbe an.

Diese Radierung von Thomas Gatzemeier | Chantant – wie auch die anderen hier vorgestellten Radierungen wurden in der renommierten Werkstatt für Druckgrafik Rössler in Hohenossig bei Leipzig gedruckt.

Rösslers Werkstatt existiert sein weit über 30 Jahren und besitzt, ein auch internationales, Renommee. Werner Tübke, Bernhard Heisig nahmen regelmäßig die Dienste der Druckerei in Anspruch.

Dr. Dirk Teubert
(Staatliche Kunsthalle Baden-Baden)
Februar 1996

Zu den Radierungen von Thomas Gatzemeier

Gatzemeier radiert. In zarter, feinnervig spröder Lineatur sind menschliche Gestalten umgriffen, mitunter in akademischer Manier zu Volumen gedrängt. Die Figuren liegen, stehen, hocken kaum sind Landschaften, episodische Konnotationen angegeben, eher arkadisch rein in herber Klassizität nahezu, der picassoeske Strich ist Floskel im 20.Jahrhundert, benutzbar, wie Gatzemeier auch Rubens Höllenstürze als Formprobleme, als Sucht menschlich imaginierter Raumfindungen denkt. Ein erster Abzug ohne kräftige Valeurs, früher Zustand, Anlass, Herausforderung zu Mutation, lustvoller Zerstörung, Metamorphose, denn die klassische Form ist Geisteshaltung („Graziologie“) und als traditionelle Pose („Liegende“) Gegenstand des Widerspruchs, des Aufdeckens von untragbaren Idealen, starrsinnig verlogener typisierter Schönheit. Gestaltet mit der Hand, die Automatismen kennt wie die akademische Kontrolle, die die erlernten Musterfiguren obsessional ins Pflanzenhafte wachsen lässt, oder versteinert, nicht nach, sondern wie die Natur, die eigene zum Eigentlichen in plastischer Qualität ertastet und so verliert.

Es ist faunische Vision von Verwandlung durch das handwerkliche Tun, das Bilderfinden doch nun weniger mit Radiernadel und Schabeisen, als mit dem elektrischen Kugelkopfbohrer, der sich tief in die Druckplatte gräbt, gelegentlich stotternd Punktlinien zieht, Gräben, Kanäle schürft, Wülste, Grate aufwirft.

Hier ist Gatzemeier mehr Maler als Zeichner, der die Lust des farbplastischen Bildens in die Grafik überführt, denn die Platte wird eher aufgerissen, verletzt, prägt feinsamtenes Bütten zu oft mühsam erdrücktem, haptisch-taktilem Relief. Gatzemeier behauptet in der menschlichen Gestalt Geschichten von Harmonie und Vergänglichkeit, von kanonischer Vollendung und frei flutender Imagination mutierender Biomorphismen, mal mit dem Zorn wider die Bedingtheiten neudeutscher Vereinigungsfreiheiten („Vorwärts-Zurück“), dann wider mit skurril-groteskem Humor und erotischer Sinnlichkeit, starr hier, dort singend verwoben im Tanz, im kosmischen Rhythmus. All dies in den Grenzen der Kontrolle der Widerständigkeit im Material, in der Imagination, diesem steten Anarbeiten gegen das wie ein Rezept erlernte Gestalt-finden, dessen semantische Implikation ihren gesellschaftlichen Grund verloren haben, und doch stets gegenwärtig bleiben, so immer wieder überwunden werden müssen, Sisyphos, nicht den Stein wälzend, sondern das eigene Schema vom menschlichen Körper den Göttern der Narzisskultur entreißend.

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