Beschreibung
Bienenliebe – Malereicollage auf Heliogravüre
Bei Hofe wusste man gewöhnlich, wer im Mittelpunkt zu stehen hatte. In der „Bienenliebe“ von Thomas Gatzemeier ist diese Frage neu zu verhandeln. Ein großer Schmetterling breitet seine Flügel vor einer vornehmen Dame aus. Rechts oben nähert sich eine Biene ihrem perlengeschmückten Haar. Um eine Audienz hat vermutlich keiner der beiden gebeten.
Die Malereicollage auf Heliogravüre gehört zum Zyklus „Die mystische Möhre“. Ausgangspunkt ist ein schwarz-weißer historischer Druck aus dem Mappenwerk von Wilhelm Bode, den der Künstler sanft koloriert hat. Darüber liegt der gemalte Schmetterling als zweite Bildebene. Das alte Porträt bleibt sichtbar und bekommt doch eine ganz andere Gegenwart.
Ein historisches Porträt wird sanft koloriert
Die Heliogravüre zeigt Elisabeth von Österreich nach einem Porträt von François Clouet. Selbst im schwarz-weißen Druck strahlt das Gesicht eine eigenartige, fesselnde Kühle aus. Der Blick wirkt aufmerksam und ein wenig skeptisch. Als habe die Dame bereits geahnt, dass hier noch etwas auf sie zukommt.
Thomas Gatzemeier nähert sich dieser feinen Darstellung mit behutsamen Eingriffen. Die Heliogravüre wird partiell koloriert. An den Lippen und im Kopfschmuck setzen Farben leise Akzente, während die zarten Tonabstufungen des Porträts erhalten bleiben. Zwischen Perlen und Schmuckstücken beginnt es zu leuchten.
Diese Zurückhaltung lässt dem historischen Bild seinen eigenen Charakter. Die Dame soll schließlich wiederzuerkennen sein. Auch wenn sich ihre Gesellschaft inzwischen erheblich verändert hat.
Ein Schmetterling als zweite Bildebene
Über den kolorierten Druck hat Gatzemeier einen großen Schmetterling gemalt. Seine ausgebreiteten Flügel liegen vor dem Gewand und reichen seitlich über die Begrenzung der gedruckten Darstellung hinaus.
Weiß und Hellblau treffen auf Gelb, Rotbraun und dunkle Linien. Leuchtend blaue Flecken setzen einzelne Akzente. Die feine Zeichnung gliedert die Flügel und verleiht ihnen bei aller Größe eine eigentümliche Leichtigkeit.
Mit höfischer Zurückhaltung hält sich dieser Schmetterling nicht lange auf. Er nimmt den Platz ein, den er offenbar für angemessen hält.
So entsteht eine neue räumliche Beziehung: Das Porträt tritt hinter die gemalten Flügel zurück. Zugleich wird der Blick der Porträtierten eindringlicher. Ihr Gesicht bleibt frei und behauptet sich zwischen den farbigen Formen. Man schaut auf den Schmetterling und begegnet ihren Augen.
Die Biene und der kostbare Kopfschmuck
Rechts oben erscheint die Biene neben dem geschmückten Haar. Ihre goldbraunen Farbtöne antworten auf die farbigen Akzente des Kopfschmucks. Auch ihre Flügel überschreiten den Rand des historischen Bildes.
Ob sie sich für die Dame oder deren Ausstattung interessiert, bleibt offen. Vielleicht hält sie den Schmuck für etwas Blühendes. Bei einer Biene darf man praktische Absichten vermuten.
Der Titel „Bienenliebe“ gibt der Begegnung eine Richtung, ohne sie abschließend zu erklären. Zwischen der großen Geste des Schmetterlings und dem prüfenden Blick der Dame geht die kleine Besucherin jedenfalls nicht verloren.
Wie die Malereicollage auf Heliogravüre entsteht
Die Heliogravüre ist ein Tiefdruckverfahren, das differenzierte Tonabstufungen ermöglicht. Bei der „Bienenliebe“ bildet der schwarz-weiße Druck die vorhandene Bildschicht. Durch die sanfte Kolorierung und den darüber gemalten Schmetterling entwickelt Thomas Gatzemeier daraus eine eigenständige Arbeit.
Der Begriff Malereicollage beschreibt hier das Zusammenführen der gedruckten und gemalten Bildwelt. Der Schmetterling ist direkt auf den Druck gemalt. Die Wirkung entsteht durch die Überlagerung der Ebenen.
Im übertragenen Sinn lässt sich das Werk auch als Palimpsest betrachten: Die ältere Darstellung bleibt lesbar, während eine neue hinzukommt. Beide verändern sich in unserer Wahrnehmung. Das historische Porträt wird zur Bühne, und die Insekten bringen ihre eigene Geschichte mit.
Ein Unikat aus „Die mystische Möhre“
„Bienenliebe“ verbindet die feine Wirkung eines historischen Porträts mit farbiger Insektenmalerei und leisem Humor. Als Unikat mit Schmetterling und Biene lädt die Arbeit zum genauen Hinsehen ein: auf die Linien der Flügel, die kolorierten Schmuckstücke und den wachen Blick zwischen all dem Besuch.
Wer eine Malereicollage kaufen möchte, in der alte und neue Bildwelten miteinander ins Gespräch kommen, findet hier eine eigenwillige Begegnung. Die Dame bewahrt ihre Würde. Ob sie mit den Gästen einverstanden ist, wurde nicht überliefert.
Weitere Arbeiten aus dem Zyklus „DIE MYSTISCHE MÖHRE“.
EIN UNIKAT
Die Malereicollage von Thomas Gatzemeier Bienenliebe ist ein mit Acryl und Aquarell bearbeiteter Tiefdruck aus einer Mappe von Heliogravüren die Wilhelm Bode 1910 herausgebracht hat.
- Technik: Tiefdruck auf reinen Hadernpapier | Acryl und Aquarell
- Maße: 25 x 36 cm
- Passepartout: Museumsqualität 50 x 60 cm
- Rahmen (Optional): HALBE Classic Holz, Erle dunkel, UV-Schutzglas entspiegelt






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